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Pressemitteilung 01/02
"Eingeschnürt und abkassiert"
Blauer Brief aus Hannover
nach Berlin
Ernüchterung und deutliche Reformkonzepte auf der
politischen Bühne der Bundesebene seien durchaus wünschenswert, so
NHT-Präsident Kurt Rehkopf auf der traditionellen
Aschermittwochpressekonferenz des Handwerks am 13.02.2002 in Hannover. Die
wirtschaftliche Lage sei extrem schwierig. Allein im
niedersächsischen Handwerk habe man seit Mitte der 90iger Jahre ca. 70.000
Arbeitsplätze verloren. Für das Jahr 2001 lägen zwar noch keine
offiziellen Daten vor, intern gehe man aber davon aus, dass auch im vergangenen
Jahr ca. 16.000 weitere Arbeitsplätze verloren gegangen seien. Dabei sei
eigentlich genug Arbeit vorhanden! Allerdings seien die Kosten der Arbeit und
die vielfältigen Regulierungen und Auflagen einfach zu hoch. Auf dieser
Basis könne Schwarzarbeit gedeihen, aber legale Arbeit werde behindert.
Fatal sei, dass gleichzeitig das Wachstum der Betriebe gebremst werde, weil
zudem viele Betriebe über Facharbeitermangel klagten. Bei 4,3 Mio.
Arbeitslosen geradezu widersprüchlich, so Rehkopf.
Ein blauer
Brief für mangelnden Mut zu Reformen an die Adresse der gesamten
Bundesregierung sei daher durchaus angebracht. In einer Blitzumfrage
unter 400 nds. Handwerksbetrieben im Vorfeld der Pressekonferenz habe sich der
Unmut im Handwerk gezeigt. In 90% der Rückmeldungen wurde die Steuerreform
von den Unternehmern als "wirkungslos" oder sogar "eher" ungünstig"
eingestuft. Die Steuerreform sei zwar ein richtiger Schritt gewesen, allerdings
komme hier vor allem die Enttäuschung darüber zum Tragen, dass man
die eigentlichen Entlastungen für die Personenunternehmen, d.h.
für den größten Teil des handwerklichen Mittelstandes, auf
das Jahr 2005 verschoben habe. Noch ungünstiger werde die
Ökosteuer bewertet. 96 % stuften die Ökosteuer, die zur
Entlastung der Kosten der Arbeit beitragen sollte, als "wirkungslos" oder sogar
"eher ungünstig" ein. Es dürfte wenig verwundern, dass die meisten
Betriebsinhaber nicht nur eine Aussetzung, sondern die völlige Abschaffung
wünsche. Mit Blick auf die Frage nach der Wirksamkeit der
Einführung des Kombilohns falle die Bewertung spürbar
positiver aus. Immerhin erwarte jeder vierte Handwerker davon eine "eher
günstige" Auswirkung auf den Arbeitsmarkt. Natürlich werde man damit
nicht die Massenarbeitslosigkeit bekämpfen können, aber es sei
immerhin ein Baustein für die Stärkung des ersten Arbeitsmarktes.
In einer weiteren Frage seien die Wünsche der Betriebe an eine
Mittelstandspolitik erfragt worden. Die Handwerker schlugen als wichtige
Maßnahmen vor, die Lohnzusatzkosten abzubauen, den Arbeitsmarkt zu
flexibilisieren, die nächsten Steuerstufen vorzuziehen und einen
reduzierten Mehrwertsteuersatz auf Dienstleistungen einzuführen. Hier
zeige sich deutlich, wo der Schuh drücke. Der Kostenblock müsse
gesenkt werden. Es müsse endlich eine durchgreifende
Gesundheitsreform angegangen werden. Es sei allen klar, dass eine
Begrenzung des Leistungskataloges erforderlich sei, dass verstärkt
marktwirtschaftliche Elemente wie die private Risikovorsorge,
Kostenerstattungen und Beitragsrückgewähr umgesetzt werden
müsse. Die Reform der Altersvorsorge sei ein guter erster Schritt, der
allerdings nicht ausreiche. Die Erhöhung der Altersgrenze und die
Abflachung des Rentenanstiegs werde unausweichlich. Neben einer Reduzierung der
Kosten müsse gleichzeitig auch der Arbeitsmarkt "entzementiert"
werden. Dabei müsse auch der Kündigungsschutz im Sinne der vielen
Arbeitslosen auf den Prüfstand. Das eigentlich Schlimme, so Rehkopf, seien
in Deutschland nicht bestimmte belastende Gesetze und Verordnungen, sondern der
fehlende Mut in Zeiten wirtschaftlicher Schwäche, erkannte
Fehlentwicklungen durch Reformen zu stoppen und umzukehren. Nicht zuletzt
deshalb sei Deutschland auch im internationalen Vergleich inzwischen
Schlusslicht bei der wirtschaftlichen Entwicklung.
Hannover, 13.02.2002