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Aktuell |
Die Politik könne es sich nicht erlauben, schon zur Hälfte
der jeweiligen Amtsperiode die Hände in den Schoß zu legen! Die
Politik müsse jetzt anpacken und Konzepte vorlegen, wenn sie nicht
den Rest an Glaubwürdigkeit verlieren wolle, kommentierte Kurt Rehkopf,
Präsident des Niedersächsischen Handwerkstages, die Ergebnisse
einer Blitzumfrage von ca. 500 niedersächsischen Handwerksbetrieben.
Die Lage im Handwerk sei angespannt. Knapp 40 % der
Handwerksbetriebe stuften ihre Wirtschaftslage mit "schlecht" ein. Das sei
wenig zufriedenstellend und verhindere eine Aufwärtsentwicklung.
Allerdings sei von deutlich über die Hälfte der Betriebe eine
"gute" oder zumindest "befriedigende" Einschätzung der Lage ihres
Betriebes abgegeben worden. Trotz aller Diskussionen, wie die
Wiedereinführung der Vermögenssteuer, die Erhöhung der
Erbschaftssteuer, die Erhöhung der Ökosteuer oder der Mehrwertsteuer,
gebe es mithin in Niedersachsen noch immer Betriebe, die mit unternehmerischer
Neuausrichtung Wege aus der Krise suchen. Es sei bemerkenswert, dass die in der
Umfrage erfassten Betriebe ihre Lage insgesamt deutlich günstiger
einstuften als die Lage der Binnenwirtschaft insgesamt.
Allerdings sei
der Glaube daran, dass die gegenwärtige Politik auf Bundesebene in der
Lage sei, mittelstands- und handwerksgerechte Rahmenbedingungen zu schaffen,
nahezu vollständig geschwunden. 95% der befragten Betriebe hätten
das Vertrauen in die Politik verloren. Nur 5 % gaben eine positive
Rückmeldung. Für die Politik sei dieses ein Armutszeugnis! Es
müsse Ansporn sein, sich jetzt endlich in den verschiedenen Feldern, wie
Steuern, Sozialabgaben und weiterer Flexibilisierung des Arbeitsmarktes auf
einen klaren Kurs zu verständigen.
Das Handwerk sage aber
deutlich nein zum Antidiskriminierungsgesetz, zu einer einseitigen
Ausrichtung des Solidarpaktes, welcher strukturschwache Gebiete in
Westdeutschland völlig ausblende, zu einer Ungleichbehandlung deutscher
Bauarbeitnehmer und Betriebe bei öffentlichen Ausschreibungen, zu
nicht mehr finanzierbaren Belastungen im Rahmen der Berufsgenossenschaften oder
auch zu einer das ortsansässige Handwerk belastenden europäischen
Dienstleistungsrichtlinie.
Das Handwerk sage ja, so Rehkopf, zu
umfassenden Reformen! Eine deutliche Steuervereinfachung auch mit
Streichung von Sondertatbeständen werde vom Handwerk getragen, wenn diese
in vollem Umfang zu einer Steuer- und Beitragsentlastung genutzt werden
würden. Eine Steuerpolitik, die sich auf die Belange kleiner und
mittlerer Unternehmen ausrichte, benötige beispielsweise eine
Freibetragsregelung im Rahmen der Ökosteuer, statt einer pauschalen
Belastung gerade der kleinsten Betriebe. Sie mache eine Istbesteuerung
im Rahmen der Umsatzsteuer notwendig, damit nicht die Betriebe, die lange auf
ihre Forderungen warten müssen, in Liquiditätsengpässe getrieben
werden. Man sollte in Berlin zudem über ein kreatives
Eigenkapitalstärkungsprogramm nachdenken, von dem vor allem der
eigenkapitalschwache Mittelstand profitieren könnte.
Die Umfrage
habe gezeigt, so Rehkopf, dass das Handwerk in Zukunft verstärkt
Serviceleistungen ausbauen werde, sich verstärkt auf Spezialleistungen
ausrichte und seine Marketinganstrengungen verstärke. Personalabbau sei
aber auch für 2005 noch zu erwarten. Allerdings zeige sich ein deutlicher
Trend hin zu einem verstärkten Einsatz flexibler Kräfte.
Rehkopf: Wer zukünftig mehr Beschäftigung in Deutschland
will, muss sich stärker als bisher auf die standortbezogenen
Wirtschaftsbereiche, wie das Handwerk, ausrichten. Die Politik muss endlich an
der richtigen Stelle anpacken!
Wenig Verständnis habe er dafür, dass die Brüsseler Vorgaben, die lediglich eine Gleichbehandlung im Hinblick auf Rasse, ethnischer Herkunft oder Geschlecht vorsehen würden, von der Bundesregierung auf die Merkmale Religion, Weltanschauung, Alter, Behinderung und sexuelle Identität erweitert werden. Einzuschnüren und abzukassieren, dies sei die Zielrichtung dieses Rot-Grünen-Gesetzentwurfes. Er hoffe deshalb, dass die Niedersächsische Landesregierung alles daran setze, dieses Vorhaben zu stoppen. Wir brauchen, so Rehkopf, keine Rot-Grüne-Kulturrevolution in Deutschland, die nur zum Ziel hat, die Freiheitsgedanken des Grundgesetzes einzuschränken.
Hannover, 09.02.2005