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Aktuell |
Im Rahmen der Preisverleihung im Wettbewerb Mittelstandsfreundliche
Kommunen in Niedersachsen konnten heute im Niedersächsischen Landtag
insgesamt 7 niedersächsische Kommunen mit 2 Hauptpreisen und 5
Sonderpreisen in Form von Pokalen und Urkunden ausgezeichnet werden. Dieser
Wettbewerb findet bereits zum 3. Mal statt. Es ist eine gemeinsame
Initiative der Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen Spitzenverbände
Niedersachsens, des Niedersächsischen Handwerkstages und der
Arbeitsgemeinschaft Niedersächsischer
Kreishandwerkerschaften.
Ausgezeichnet werden mittelstandsfreundliche
Initiativen niedersächsischer Kommunen, also von Gemeinden, Samtgemeinden,
Städten und Landkreisen auf Themengebieten wie z. B. der
Mittelstandsförderung, der öffentlichen Auftragsvergabe, der
kommunalen Verkehrsplanung, des Umweltschutzes, der Bekämpfung der
Schwarzarbeit, der Genehmigungspraxis oder einer wirtschaftsfreundlichen
Gestaltung von Steuern, Abgaben und Gebühren.
Die beiden
Hauptpreise erhalten in diesem Jahr der Landkreis Osnabrück sowie
die Samtgemeinde Grafschaft Hoya. Besonders zeichnet sich die Bewerbung
des Landkreises Osnabrück durch ihren Innovationsgehalt der
einzelnen Aktivitäten aus. Dies betrifft besonders die Themen
Ansiedlungsbegleitung und Behördenmanagement im Rahmen der
Wirtschaftsförderung. Die Erstellung maßgeschneiderter Angebote
für ansiedlungswillige bzw. schon vorhandene Unternehmen. Auch die Themen
Existenzgründung, demographischer Wandel, die Stärkung des
ländlichen Raums, wirtschaftsfreundliche Genehmigungsverfahren konnten die
Jury davon überzeugen, einen Hauptpreis dem Landkreis Osnabrück
zuzuerkennen.
Unter dem Motto "Gemeinsam mit der Wirtschaft? In Hoya
ja!" konnte die Samtgemeinde Grafschaft Hoya bei der Jury punkten
und damit den anderen Hauptpreis gewinnen. Die Durchführung einer
innovativen Gewerbeschau, einer regionalen Baumesse oder das Thema aktives
Leerstandsmanagement von Gewerbeflächen, bzw. konkurrenzlos niedrige
Gewerbesteuer- und Grundsteuerhebesätze. Die Samtgemeinde Grafschaft Hoya
hat sich in diesen und weiteren Themenbereichen ausgezeichnet und zieht damit
an ihren Mitbewerbern vorbei.
Sonderpreise gehen an folgende Kommunen:
Die Samtgemeinde Artland (Stadt Quakenbrück) erhält
einen Sonderpreis für ihre Initiative hinsichtlich einer Handwerkermesse
für historische Bausubstanz, die Einrichtung einer Datenbank "Fachbetriebe
historische Bausubstanz" sowie ihre Überlegungen im Hinblick auf eine
Baustoffbörse als Umschlagplatz für Baustoffe aus abgängigen
Fachwerkhäusern. Damit setzt die Gemeinde Artland Akzente im Bereich der
kommunalen Denkmalspflege, die gerade für das Handwerk ein wichtiges
wirtschaftliches Standbein ist.
Einen Sonderpreis in der Rubrik
Vorbildliche öffentliche Auftragsvergabe sowie Zahlungsmoral'
erhält in diesem Jahr der Landkreis Lüneburg. Dort wird
im Rahmen der öffentlichen Auftragsvergaben besonders darauf geachtet,
dass die abgegebenen Tariftreueerklärungen der Wahrheit entsprechen und
dass Kalkulationsunterlagen von Bewerbern, die ein niedriges Angebot abgegeben
haben, besonders überprüft werden. Außerdem werden die
zuständigen Sachbearbeiter in Zusammenarbeit mit der Handwerksorganisation
speziell geschult. Auftragsvergaben an Generalunternehmer finden im Landkreis
Lüneburg nicht statt. Selbst bei europaweiten Ausschreibungen werden
Bauleistungen in Einzellosen ausgeschrieben, um so mittelständischen
Handwerksunternehmen eine Gelegenheit zur Beteiligung an den
Ausschreibungsverfahren zu geben. Mit dieser Praxis entspricht der Landkreis
Lüneburg den Erwartungen der niedersächsischen Handwerksorganisation,
die mit Sorge immer wieder registriert, dass aufgrund von Personalmangel in den
Behörden immer öfter nur sog. funktionale Ausschreibungen
stattfinden, bei der Mittelständler kaum noch Chancen auf eine Beteiligung
besitzen.
Für ihre Initiative bei der Einbindung von
Handwerksvertretern in kommunale politische Gremien erhält einen
weiteren Sonderpreis die Gemeinde Sögel. Unter dem Motto
Handwerkliche Selbständigkeit und persönliches
kommunalpolitisches Engagement müssen nicht zwangsläufig aus
Zeitmangel unvereinbar sein' hat es die Gemeinde Sögel geschafft, auch
handwerkliche Kompetenz in ihre politischen Gremien zu integrieren. Dabei legt
die Verwaltung sehr großen Wert darauf, dass auf die Belange der
Gewerbetreibenden u. a. hinsichtlich der Festlegung von Sitzungsterminen
besonders geachtet werden.
Ein ganz wichtiges Zukunftsthema wird gerade
auch für Niedersachsen der Demographische Wandel sein. Schon der
diesjährige Wettbewerb zeigte, dass viele Kommunen auf diesem Themengebiet
initiativ geworden sind. Im Mittelpunkt steht die Schaffung eines
familienfreundlichen Umfeldes, um so gerade junge und kinderreiche Familien zu
bewegen, in ihre Städte und Gemeinden zu ziehen. Vor diesem Hintergrund
erhält die Stadt Munster einen Sonderpreis für
familienfreundliches Engagement. Munster ist dazu übergegangen, aktive
Familienförderung zu betreiben, indem z. B. für jedes Kind beim Kauf
von Wohnbaugrundstücken Geldzuschüsse gezahlt werden.
Einen
Sonderpreis erhält die Gemeinde Wunstorf für
Mittelstandsgerechte Bauleitplanung und Baugenehmigungsverfahren sowie
aktives Innenstadtmanagement'. So hat sich in Wunstorf die Praxis
eingebürgert, dass bei der Aufstellung oder Änderung von
Bebauungsplänen die Betriebe direkt über ihre
Mitwirkungsmöglichkeiten informiert werden. Beratungsgespräche werden
angeboten. Bereits bei Vorabschluss eines Grundstückskaufvertrages wird
über spezielle Infoblätter einem Unternehmer umfangreiche
Hilfestellung gegeben. Runde Tische und Kontakte zu allen beteiligten
Behörden gehören ebenso wie z. B. eine garantierte Bearbeitungszeit
von 6 - 8 Wochen für Bauanträge dazu. Durch ein spezielles
Einzelhandelskonzept werden darüber hinaus nicht innenstadtrelevante
Produkte gezielt am Rand der Kernstadt angesiedelt. Im Kern selbst
unterstützt die Stadt Wunstorf innerstädtische
Einzelhandelsstrukturen, z. B. auch durch ein Leerstandsmanagement oder ein
Parkleitsystem. Diese Maßnahmen sind u. a. der Grund dafür, dass
Wunstorf eine attraktive Fußgängerzone mit einer geringen
Leerstandsquote besitzt.
Sowohl die Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen
Spitzenverbände Niedersachsens als auch der Niedersächsische
Handwerkstag betonen übereinstimmend die Bedeutung eines solchen
Wettbewerbs. Oft gehört für ein mittelstandsfreundliches Engagement
nicht viel dazu. Das Verstehen und die Sensibilisierung für die Probleme
des jeweiligen Partners seien oft schon ausreichend, um auf örtlicher
Ebene viel zu bewegen. Dieses Ziel, so die Initiatoren, sei durch den
Wettbewerb in vielen Fällen erreicht worden.
Hannover, 21.06.2006