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Aktuell |
Die nach wie vor sehr schwierige Lage vieler kleiner und mittlerer
Unternehmen des Handwerks hat heute der Präsident des
Niedersächsischen Handwerkstages (NHT), Kurt Rehkopf, deutlich
gemacht. Nachdem bereits das vergangene Jahr für das Niedersächsische
Handwerk Umsatzeinbußen von 3,7 % und einen
Beschäftigtenrückgang von 4,7 % gebracht habe, zeige sich vor
Beginn der jetzt anstehenden Sommerpause ein noch nicht beendeter negativer
Trend. Für das laufende Jahr erwartet das Niedersächsische Handwerk
noch einmal einen Umsatzrückgang um 0,5 % und einen weiteren
Beschäftigtenrückgang um 2 - 2,5 %. "Das sind 10.000 bis 13.000
Beschäftigte weniger, die wir lieber halten würden", sagte dazu
Präsident Rehkopf. Vielen kleinen und mittleren Unternehmen - nicht nur im
Handwerk - stehe das Wasser aber bis zum Halse. Die Gründe
dafür lägen, so Rehkopf, vor allem in einer für den Mittelstand
viel zu spät greifenden Steuerreform, steigenden Sozialabgaben und
einem Netzwerk an Regulierungen des Arbeitsmarktes. Deshalb müssten
auch von dort die wichtigsten Rettungsringe kommen, damit sich der Mittelstand
wieder freischwimmen könne.
Aber auch die Landesregierung
könne einige wichtige Impulse setzen, um beispielsweise der
niedersächsischen Bauwirtschaft wieder neue Perspektiven zu eröffnen.
Dazu gehöre als ein Rettungsring ein Klimaschutzaktionsprogramm,
das über die energetische Sanierung des Altbaubestandes ca. 10.000 bis
20.000 neue Arbeitsplätze schaffen könnte. Die Vorschläge des
Handwerk und anderer Mittelstandsorganisationen lägen seit langem auf dem
Tisch. Bisher habe die Landesregierung jedoch nicht reagiert.
Erneut
setzte sich Rehkopf auch für die baldige Verabschiedung eines
Tariftreuegesetzes ein. Die derzeitige Diskussion eines Gesetzentwurfs
auf Bundesebene lasse wenig Hoffnung darauf zu, dass sich die unbefriedigende
Situation für niedersächsische Unternehmen verbessern werde.
Insbesondere der vorgesehene Schwellenwert von 100.000 Euro lasse erwarten,
dass dieses Gesetz am Handwerk völlig vorbeigehen werde. Damit blieben die
Wettbewerbsnachteile niedersächsischer Baubetriebe auch künftig
bestehen. Rehkopf forderte deshalb die zügige Verabschiedung und Umsetzung
des Niedersächsischen Tariftreuegesetzes, das in seinen Eckwerten
eindeutig mittelstandsfreundlicher sei.
Deutliche Kritik
äußerte der Handwerkspräsident an dem Gesetzentwurf für
eine Schulstrukturreform in Niedersachsen. Bisher sei nicht zu erkennen,
dass die zahlreichen Gespräche, die das Handwerk mit der Landesregierung
in dieser wichtigen Frage geführt habe, erkennbare Auswirkungen haben
werden. Insbesondere die Benachteiligung von Hauptschulen und Realschulen bei
der Anbindung der künftigen Förderstufe und die inhaltliche
Ausgestaltung dieser Schulform stoße auf massive Kritik im Handwerk.
Insgesamt müsse dieser Gesetzentwurf als enttäuschend bezeichnet
werden. Rehkopf äußerte die Hoffnung, dass im Rahmen der
abschließenden Beratung am kommenden Freitag noch Änderungen
möglich sind.
Als notwendig und überfällig bezeichnete
Präsident Rehkopf die Initiative "Handwerkerinnen und Handwerker ins
Parlament", die der NHT vor gut einem Jahr gestartet habe. Diese Aktion
habe sich innerhalb des Handwerks als Volltreffer erwiesen und ein erfreuliches
Interesse ausgelöst. Die Reaktion auf Seiten der Parteien sei allerdings
sehr enttäuschend. Nachdem inzwischen drei Landeslisten verabschiedet
seien, könne festgestellt werden, dass nicht eine Partei dieses Zeichen
verstanden und ein entsprechendes Signal gesetzt habe, obwohl für alle die
Interessen des Handwerks von großer Bedeutung sind. Kein einziger der
Kandidatinnen und Kandidaten des Handwerks habe einen aussichtsreichen
Listenplatz bekommen. Dies sei nach wie vor Vertretern anderer Berufsgruppen
oder wenigen Quereinsteigern vorbehalten. Darin seien sich, so Präsident
Rehkopf, alle Parteien einig. Umso wichtiger werde auch in Zukunft eine starke
Handwerksorganisation als Interessenvertretung des Handwerks sein. Der NHT
stelle sich dieser Aufgabe und werde im Vorfeld der Bundes- und Landtagswahl
die Positionen des Handwerks deutlich machen.
Hannover, 10.06.2002