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Pressemitteilung 08/03
Bundesregierung nicht reformfähig
In deutlicher
Form hat heute NHT Präsident Kurt Rehkopf die Kritik von
Bundeswirtschaftsminister Clement an der negativen Beurteilung der
Reformbemühungen der Bundesregierung durch Wirtschaft und
gesellschaftliche Gruppen zurück gewiesen. Wer ohne erkennbares
Konzept "drauflos reformiere" brauche sich über fehlende Akzeptanz nicht
zu wundern. Die Regierung handele nach dem Motto: " Wir wissen zwar nicht,
wohin wir wollen, aber wir gehen schon mal los". Die Folge dieser verfehlten
Politik sei purer Aktionismus und ein nicht mehr nachvollziehbarer
Zickzackkurs. Was heute angekündigt werde, gelte schon morgen nicht mehr.
Noch nie sei die Wirtschaft so tiefgreifend verunsichert worden. Deshalb sei
die derzeitige Bundesregierung die Hauptursache für die schlimmste
Wirtschaftskrise seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland.
Rehkopf
begründete seine Kritik anhand einiger aktueller Beispiele:
- Es
sei unbestritten, dass in Deutschland mehr Jahre als bisher für die
Rente gearbeitet werden müssten. Anstatt aber dafür zu sorgen,
dass sich das tatsächliche Renteneintrittsalter wieder dem offiziellen
annähere und ständige Frühverrentungsmodelle der Industrie und
der öffentlichen Verwaltungen zu Lasten der Beitragszahler zu
bekämpfen, würde jetzt die Bevölkerung durch die pauschale
Heraufsetzung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre verunsichert.
-
Ständig neue Meldungen über Milliardendefizite in den Krankenkassen
erschüttern zudem den Glauben daran, dass die Gesundheitsreform
tatsächlich zu einer Beitragsentlastung führen werde. Es könne
nicht immer mit den Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt entschuldigt werden. Der
Teufelskreis Beitragssteigerung und Arbeitslosigkeit werde sich immer schneller
drehen, wenn nicht bald substanzielle Reformen zu deutlichen Entlastungen der
Kassenhaushalte führen.
- Die viel zu hohe Steuerbelastung
insbesondere des Mittelstandes müsste dringend reduziert werden. Erst habe
die Bundesregierung aber die Steuerreform durch die Flut des Jahres 2002
verschoben, jetzt werde sie für das Jahr 2004 vom Wohlverhalten der
Opposition abhängig gemacht. In jedem Fall würde den Bürgern als
Kompensation das Geld in mindestens gleicher Höhe wieder aus der Tasche
gezogen.
- Viel zu lange sei man der Misere der Kommunen nicht
entgegengetreten. Das Handwerk habe sich immer für eine finanzielle
Entlastung der Kommunen eingesetzt. Es müsse jetzt aber in der
gegenwärtigen Debatte um die Gemeindefinanzreform ein klares Signal
gesetzt werden, dass es für die kleinen- und mittleren Betriebe in der
gegenwärtig sehr schweren wirtschaftlichen Lage zu keiner
Substanzbesteuerung bei Mieten, Pachten und Zinsen komme. Damit sei das Sterben
tausender Betriebe vorprogrammiert. Die Bundesregierung dürfe sich
keinesfalls auf diesen Irrweg begeben und in dieser Frage umfallen.
-
Eine Reform der Handwerksordnung sei wichtig und hätte zusammen mit
dem Handwerk betrieben werden können. Statt dessen gehe es der
Bundesregierung um die weitgehende Abschaffung des Meisterbriefes und damit
eine deutliche Schwächung des Wirtschaftsbereichs Handwerk und noch nicht
abzusehende Folgen für die Qualität des dualen Ausbildungssystems in
Deutschland. Abschließend ließ Präsident Rehkopf keinen
Zweifel daran, dass diese Gesellschaft durchaus reformwillig und
reformfähig sei. Es müsse für alle Beteiligten aber ein
Gesamtkonzept und ein klarer Kurs erkennbar sein. Die derzeitige
Bundesregierung sei offensichtlich aber nicht in der Lage, einen solchen Kurs
zu finden.
Hannover, 28.08.2003